|
|
|
|
 |
 |
|
Presseverein Münster-Münsterland e.V. Im DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen
|
|
 |
 |
|
Infos zum Redaktionsaustausch bei der Münsterschen Zeitung |
 |
 |
|
Schwarzer Zeitungsfreitag in Münster hat Schule gemacht
|
 |
 |
|
Gemeinsame Erklärung von Presseverein Münster-Münsterland und dju in verdi:
Der "Fall Münster" hat Schule gemacht. Leider. Nur zwei Jahre nach dem Rauswurf der Lokalredaktion Münster der "Münsterschen Zeitung" am 19. Januar 2007 ist die deutsche
Zeitungslandschaft eine andere geworden. Zwei Jahre ist es her, dass der damalige Verlagsgeschäftsführer Lutz Schumacher im Auftrag seines Dortmunder Traditionsverlegers Lambert Lensing-Wolff den 19 Mitarbeitern der
Lokalredaktion Münster der "Münsterschen Zeitung" mitteilte, dass sie überflüssig seien, ihre Arbeit ab sofort von einer anderen Firma übernommen werde. Die Stimmung in Münster war aufgeheizt, der soziale
Konsens der Stadt schwer gestört. Es folgten zahlreiche Abo-Kündigungen, Aktionen der Gewerkschaften und Betroffenen und über Monate bundesweit Schlagzeilen in regionalen und überregionalen Medien.
Die
Münstersche Zeitung hat den schweren Schlag, den der eigene Verleger gegen sie führte, überlebt. Die Presse-Vielfalt ist zumindest in der Stadt Münster noch erhalten geblieben -- wenn auch zu außer- und
untertariflichen Bedingungen für die Mitarbeiter der heutigen MZ-Redaktion.
Auch hat der "Fall Münster" in dieser Rigorosität keine direkten Nachahmer gefunden. Aber was vor zwei Jahren in Zeiten
relativer wirtschaftlicher Stabilität noch als unstatthaftes, ungehöriges und bisweilen sogar als asoziales Unternehmenverhalten eingeschätzt wurde, war ein Dammbruch in der Verlagsbranche. Die Berufsgruppe der
Redakteurinnen und Redakteure wird inzwischen fast überall von Verlagen vornehmlich als wirtschaftliches Einsparpotential gesehen.
"Land auf Land ab ziehen Unternehmensberatungen mit dem Rasenmäher durch
die Redaktionen, Rendite ist wichtiger als die auch für die Demokratie wichtige redaktionelle Qualität und Erfahrung", stellen Werner Hinse (Presseverein Münster-Münsterland) und Frank Biermann (dju in verdi)
in einer gemeinsamen Erklärung heraus. Aktuell bangen gerade 300 von insgesamt 900 redaktionell Beschäftigten bei den vier bis dato noch selbstständigen Zeitungstiteln der WAZ-Mediengruppe im Vest, im Ruhrgebiet
sowie Rhein- und Sauerland um ihren Job. Auch dort sind Neugründungen von Gesellschaften geplant. Ältere Kolleginnen und Kollegen sollen in die Alterszeit verabschiedet werden. Das erschreckende Muster des
"Falls Münster" greift um sich.
Von den ehemaligen MZ-Redakteuren haben einige wieder eine Festanstellung gefunden. Andere haben sich erfolgreich den Weg in die Selbstständigkeit gesucht. Einige
betreiben auch nach Ende der Transfergesellschaft das lokale Online-Magazin echo-muenster.de. Sie und andere Rausgeschmissene werden am Montag, 19. Januar 2009, den ironisch von ihnen so bezeichneten
"Luschen-Stammtisch"
ab 20 Uhr im "Le Midi" (Münster, Bohlweg), bei dem damals die Protestaktionen gegen Lambert Lensing-Wolff geplant wurden, wieder aufleben lassen und laden alle Sympathisanten und Freunde zum Besuch ein.
Frank Biermann (Vorsitzender dju in ver.di)
Werner Hinse (Vorsitzender des Pressevereins Münster-Münsterland e.V.)
|
 |
 |
|
„Verraten und verliehen“
|
 |
 |
|
Ein hoher Preis |
 |
 |
|
Es ist teuer geworden für Lambert Lensing-Wolff, den Dortmunder Chef der
Münsterschen Zeitung. Sehr teuer. Der Austausch seiner kompletten Redaktion Münster am 19. Januar 2007 in einer über Monate sorgfältig vorbereiteten Nacht- und Nebel-Aktion sorgte bundesweit für Aufsehen. Leser und
Mitarbeiter der Zeitung protestierten in Scharen gegen diesen – in der deutschen Zeitungsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg – einmaligen Schritt.
Auf der zweiten Soli-Party für die MZ-Kollegen am 29. März in Münster gaben die Kolleginnen und Kollegen der MZ auch öffentlich das Ergebnis der über Wochen laufenden Verhandlungen mit ihrem Arbeitgeber bekannt: Sie verzichten auf Kündigungsschutzklagen, die sie vielleicht wieder an ihre angestammten Arbeitsplätze gebracht hätten. Dafür hätte ein Gericht feststellen müssen, dass es zwischen den von zwei Firmen beschäftigten Redaktionen einen Betriebsübergang gab.
Sie entschieden sich für den „Spatz in der Hand“, wie sie es von Betriebsrat Stefan Clauser verlesen ließen. „Je mehr Verleger Lambert Lensing-Wolff in der Öffentlichkeit unter Druck geriet, umso schärfer
feuerte er zurück. Immer nur mit dem Argument: Die alte Redaktion sei reformunfähig, unterirdisch, renitent – mit einem Wort: grottenschlecht gewesen. Unter dem Eindruck dieser Diffamierungen und angesichts einer
neuen Redaktion, die eine Zeitung am Leser vorbei produziert, wurde den Rausgeschmissenen eins klar: Dahin möchten wir gar nicht zurück. Selbst wenn sie uns noch wollten oder wieder einstellen müssten.“
Ende
März unterschrieben zehn der freigestellten MZ-Redakteure Aufhebungsverträge, eine freiwillige sozialplan-ähnliche Vereinbarung. Und darin ist gegen Abfindung geregelt, dass sie nach Ablauf ihrer Kündigungsfristen
ähnlich wie schon die Kollegen aus der Schließungswelle in Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln werden. Drei weitere MZ-Kollegen hatten bereits vorher
angekündigt, sich nicht in eine von der Agentur für Arbeit bezuschusste Transfergesellschaft abschieben lassen zu wollen. Sie sind ausgeschieden und versuchen ihr Glück auf dem freien Arbeitsmarkt.
Der
Betriebsrat verhandelt weiter über einen ordentlichen Sozialplan für alle Freigestellten. Mit der Geschäftsführung konnte er sich bislang nicht einigen, deshalb ist nun eine Einigungsstelle beim Arbeitsgericht
Münster angerufen worden.
Der von Lensing-Wolff angezettelte „Fall MZ Münster“ hat die Zeitungsverlagsbranche Vertrauen gekostet. Das Newsdesk-Modell, das neue Rationalisierungs- und
Modernisierungsinstrument der Branche, wurde öffentlich diskreditiert. Lambert Lensing-Wolff erhob sich sogar zum Opfer einer „Schmutzkampagne“, die die Journalistengewerkschaften zusammen mit den Westfälischen
Nachrichten in Münster, seit Jahrzehnten Marktführer in der Stadt, gegen ihn inszenieren würden. Die Branche geht vorsichtig auf Distanz zum Dortmunder. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz erklärte in einem Interview mit
dem neuen Vertriebs- und Werbepartner taz am 8. Mai sogar: „Lensing-Wolff hat eine andere Entscheidung getroffen, die wir nicht treffen würden. Outsourcing ist für die WAZ kein Thema.“ (whi) [Mehr zum Thema]
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
|
|
28. APRIL 2007
|
|
|
|
Resolution gegen Lensing-Wolff |
|
|
|
Einstimmig hat der Gewerkschaftstag in Gütersloh eine Resolution verabschiedet, die
das Verhalten von Lambert Lensing-Wolff als unsozial verurteilt. In der Resolution, die während des Gewerkschaftages spontan von Mitgliedern entworfen wurde, heißt es unter anderem: “Der Gewerkschaftstag des DJV-NRW
verurteilt entschieden das Vorgehen des Dortmunder Herausgebers Lambert Lensing-Wolff gegen die bisherige Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung. Die Maßnahmen zur angeblichen Zukunftssicherung des Verlags
offenbaren nichts anderes als ein unsoziales und profitorientiertes Verhalten gegen langjährige qualifizierte Journalistinnen und Journalisten.“ [Mehr]
|
|
|
Überwältigendes Medienecho auf Fall MZ |
|
|
|
Auf dem Gewerkschaftstag am 28. April in Gütersloh haben der DJV-NRW und der
Presseverein einen Pressespiegel für Mitglieder vorgestellt, der auf rund 300 Seiten dokumentiert, was die Medien bundesweit zum Fall Münstersche Zeitung veröffentlicht haben. Am 19. Januar hatte der Verleger
Lambert Lensing-Wolff die Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung (MZ) von einem auf den anderen Tag freigestellt und durch eine neue ersetzt. Das handstreichartige Vorgehen schuf innerhalb weniger Tage eine bislang
unbekannte Öffentlichkeit für ein journalistisches Thema. Während die Medien sonst häufig schweigen, wenn es um andere Medien geht, berichteten sie diesmal bundesweit über diesen Fall von
"Manchester-Journalismus". Die Dokumentation des DJV-NRW versammelt zahlreiche Beiträge, die zwischen dem 22. Januar und dem 15. April online und im Druck erschienen sind und verweist im Anhang auf
Beiträge in Rundfunk und Fernsehen sowie auf Meldungen der Presseagenturen. Wer den Pressespiegel mit drei Monaten Berichterstattung über den einzigartigen Tabubruch erhalten möchte, kann an den DJV-NRW mailen: zentrale@djv-nrw.de
|
|
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
|
|
31. MÄRZ 2007
|
|
|
|
„Wir melden uns nicht ab!“ |
|
|
|
 |
|
 |
|
|
|
Wie bunt und vielfältig Münsters Musik- und Kulturszene ist, war auf der zweiten
Solidaritätsveranstaltung für die freigestellten Redakteure und Mitarbeiter der Münsterschen Zeitung über vier Stunden im Prinzipalsaal zu erleben.
Allwetterzoo-Direktor Jörg Adler berichtete vor rund 300
Besuchern vom Trauerschwan und dem bösen Wolf. Sopranistin Annette Klein sang - begleitet von Ulrich Rademacher - bitterschön vom Erlkönig und seinem sterbenden Sohn. Roger Trash sang Rio Reiser, die Walking Blues
Prophets waren unüberhörbar. Schauspieler Harald Redmer las, Hannes Demming sogar in Plattdeutsch. Musik und Literatur live - wie versprochen. Viele machten mit - und die vielen Besucher genossen die Kunst.
Eine Premiere gab es an dem Abend, den Rainer Bode und Nici Leibel moderierten, zudem noch. Die freigestellten MZ-Kolleginnen und Kollegen, denen am Ende der Verhandlungen mit ihrem Arbeitgeber Lambert Lensing-Wolff
in diesen Tagen zum Quartalsende die Kündigungen ins Haus flattern, nahmen erstmals öffentlich und gemeinsam Stellung.
Seit dem 19. Januar, dem „Schwarzen Freitag“, hatten sie mit Rücksicht auf ihre noch
laufenden Arbeitsverträge nur beschränkt zu ihrer Lage selbst Stellung nehmen können. Dies hatten die beiden Gewerkschaften DJV und dju, die auch das zweite Soli-Konzert veranstalteten, über Wochen übernommen.
|
|
|
 |
|
 |
 |
|
Im Prinzipalsaal kletterten nun die MZ-Redakteure auf die Bühne, demonstrierten
Unterstützung für ihren Kollegen und Betriebsrat Stefan Clauser, der den Zuhörern im Saal die Zeit seit dem 19. Januar aus ihrer Sicht und den Stand der Verhandlungen mit dem Verlag Lensing-Wolff erläuterte:
”Nach dem ersten Entsetzen kam die Wut. Kalte Wut auf den Verleger, der uns mir nichts dir nichts vor die Tür beförderte, uns aussperrte von unserem Arbeitsplatz, nach unserer Existenz griff. 'So nicht!': Das
empfand jeder von den Geschassten im Januar, 'Nicht mit mir!'.
Wir riefen um Hilfe und wir wurden gehört. Von den Menschen in Münster, von den Medien, von Künstlern, die in kürzester Frist ein
Solidaritätskonzert auf die Beine stellten. Von Menschen, die tausendfach Aufrufe unterschrieben und solchen, die sich empört an die Verlagsspitze wandten. Per Brief, per Abo-Kündigung oder bei Demos in Münster und
in Dortmund. Nicht zu vergessen, die Vertreter der beiden Gewerkschaften, die seit Beginn des Konflikts nicht von unserer Seite gewichen sind. Alle forderten gemeinsam mit uns: Die MZ-Redakteure müssen zurück an
ihre Schreibtische! Alle. Ohne Wenn und Aber. Dann kam die Angst. Nach dem ersten Sturmlauf und zunächst großer Euphorie stellten sich bohrende Fragen. Was wird aus mir und meiner Familie, wenn das hier
vorbei und der Job trotzdem futsch ist? Kann ich einen möglicherweise jahrelangen Rechtsstreit um Weiterbeschäftigung durchstehen? Finanziell und nervlich.
Und: Werde ich ihn auch gewinnen? Werde ich in
meinem Alter je wieder einen Job als Journalist finden? Fragen, auf die bis zum heutigen Tag keiner von uns eine Antwort kennt. Schlaflose Nächte wurden zum Normalzustand. Wie nicht zuletzt die Absendedaten der
eifrig untereinander ausgetauschten E-Mails belegen. Und dann der Frust. Je mehr Verleger Lambert Lensing-Wolff in der Öffentlichkeit unter Druck geriet, umso schärfer feuerte er zurück. Immer nur mit
dem einen Argument: Die alte Redaktion, sie sei reformunfähig, unterirdisch, renitent – mit einem Wort: grottenschlecht gewesen. Unter dem Eindruck dieser Diffamierungen und angesichts einer neuen Redaktion, die
eine Zeitung am Leser vorbei produziert, wurde den Rausgeschmissenen eins klar: Dahin möchten wir gar nicht zurück. Selbst wenn sie uns noch wollten oder wieder einstellen müssten. Was also tun?
Goldener Händedruck und tschüss? Auch dabei gab‘s Probleme. Der Betriebsrat verhandelte um einen Sozialplan, wurde dabei von der Geschäftsführung immer wieder ausgebremst. Auf der anderen Seite regnete es
Abfindungsangebote an die Gefeuerten, die jenseits einer einheitlichen und gerechten Regelung sozusagen freischwebend verhandelt wurden. Mancher griff zu. Im Bedürfnis, den Spatz in der Hand zu behalten, und in der
vagen Hoffnung, dass ein erfolgreiches Agieren der Mitarbeitervertretung vielleicht auch die Taube auf dem Dach noch in Reichweite bringt. Ob das klappt, steht in den Sternen. Auch wenn sich der
Verleger gern als großzügig darstellt: Reich wird von den Abfindungen keiner. Den Verlust des Arbeitsplatzes, die Diskriminierung durch den eigenen Arbeitgeber, die Aussichtslosigkeit am Arbeitsmarkt vermögen weder
Bargeld noch Transfergesellschaft zu kompensieren. Ein Schmerzensgeld, mehr nicht. Den Weg zum Arbeitsgericht, so sieht es gut zwei Monate nach dem kalten Rausschmiss aus, wird am Ende vielleicht nur
noch der Betriebsrat antreten. Um dort für eine gerechte Abfindung zu streiten, aber auch, um die Rechtmäßigkeit der Massenkündigung auf den juristischen Prüfstand zu stellen. Die von ganz langer Hand geplant und
eiskalt durchgezogen wurde. Mehr als ein Trost in dieser Tristesse: Die Münsteraner haben ein feines Gespür dafür bewiesen, das diese infame Geschäftspolitik an den Pranger gehört. Dass ein Unternehmer,
der sie zu verantworten hat, nicht zu dieser Stadt passt. Das brachte neben vielen anderen auch der Zeitgenosse zum Ausdruck, der sein Abo kündigte – ohne je Bezieher der MZ gewesen zu sein. Ohne diese massive
Unterstützung wäre unsere Sache, die ja letztlich die Sache aller an Presse- und Meinungsvielfalt Interessierten ist, vielleicht schon vergessen.
Ihr habt dafür gesorgt, dass das nicht geschieht. Und wir
Redakteure wünschen uns, dass wir gemeinsam mit Euch das Bewusstsein für die Sauerei wach halten, die hier mitten in Münster geschehen ist. Nein, wir melden uns nicht ab. Wir zeigen weiter Flagge und wir hoffen
weiter auf eure tolle Unterstützung!“
|
 |
 |
|
Der Wahlkongress des Verbandes Deutscher Sportjournalisten hat in Schwerin mit
einer Resolution auf den Umgang mit Kollegen im Verlaushaus Lensing protestiert. Die einstimmig verabschiedete Resolution wendet sich gegen die Freistellung von Redakteuren der Münsterschen Zeitung und gegen die
Schließung von Redaktionen sowie die Entlassung zahlreicher Fotografen der Ruhr-Nachrichten, die auch Kolleginnen und Kollegen aus Sportredaktionen betrifft. [Nähere Informationen | Resolution als PDF]
|
 |
 |
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
|
|
Musik und Literatur live: Weiterhin Solidarität mit den
“gefeuerten” KollegInnen der MZ
|
|
|
|
Lambert, der Tanz geht weiter ! in memoriam „Peter „Plüff“ Löwner
Zeit: Donnerstag, den 29.3.2007, ab 19 Uhr Ort: Prinzipalsaal, Alter Fischmarkt 26, Münster Mitwirkende: Annette Kleine/Ulrich Rademacher, Jörg Adler, Roger Trash,
Stringtett, Harald Redmer, Plüff Memorial Band, Walking Blues Prophets, Ernie Rissmann/Sascha Oeing, Hannes Demming, Die Zwillinge/Jazz-Universität/Winne Voget, Peter Griese u.a. [Mehr unter www.mz-solidaritaet.de | Plakat als PDF]
|
|
|
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
|
Sehr geehrter Herr Lensing-Wolff,
seit etwa zwei Wochen sehen wir uns als
MZ-Kollegium permanenten öffentlichen Diffamierungen durch Sie ausgesetzt. Abgesehen davon, dass Sie durch dieses Verhalten Ihre Fürsorgepflicht gegenüber uns als Ihren Mitarbeitern grob verletzen, führen die
Anwürfe nach der uns völlig unverständlichen Freistellung zusätzlich zu einer massiven Rufschädigung eines jeden von uns und damit zur Diskreditierung bei möglichen neuen Arbeitgebern. Dadurch verschlimmern Sie
unsere Lage weiter, nachdem Sie bereits im Begriff sind, unsere berufliche Existenz zu zerstören.
Ihre in diversen Interviews öffentlich geäußerten Vorwürfe sind umso unerträglicher, als sie jeder
nachprüfbaren Grundlage entbehren. Im Gegenteil sind sie haltlos, weil
- die angeblich „reformunfähige“ und „motivationslose“ MZ-Stadtredaktion bereits im Januar 2005 diverse Konzeptentwürfe zur inhaltlichen und
organisatorischen Neuaufstellung vorgelegt und in der Redaktionskonferenz beraten hat. Immer wieder scheiterten in der Folgezeit Versuche zur Konkretisierung und Umsetzung am Widerstand der Redaktionsleitung.
- die Bereitschaft zur Beteiligung an Fortbildungsmaßnahmen wie Seminare und Schulungen stets sehr hoch war, entsprechende Angebote uns jedoch
nicht unterbreitet wurden. Ausnahmen: ein ganztägiges Strategietreffen 2005 auf Schloss Hohenfeld, an dem die Lokalredaktion in ihrer Freizeit vollständig teilnahm und die einleitende Veranstaltung zur
„Lokalsportoffensive“ 2003 im Dortmunder Stadion. Beide Zusammenkünfte blieben ohne die zugesicherte Fortsetzung.
- sich die Redaktion Münster positiven Veränderungen gegenüber durchgehend aufgeschlossen zeigte, von der Konzeption beabsichtigter
Umstrukturierungen (Stichwort: Newsdesk) jedoch von Anbeginn konsequent und teils unter Rückgriff auf das Mittel der bewussten Täuschung ausgeschlossen wurde.
- die Redaktion für eine „unterirdische“ redaktionelle Qualität und den allein damit in Verbindung gebrachten geschäftlichen Niedergang der MZ in
die Pflicht genommen wird, während die Verantwortung für die Arbeit der Redaktion beim Chefredakteur und Lokalchef Claus-Jürgen Spitzer, bzw. bereits seit Anfang 2003 bei den RN-Chefredakteuren Hermann Beckfeld
und Dr. Wolfram Kiwit lag. Alle drei Verantwortlichen sind jedoch von drohender Entlassung offenbar nicht betroffen.
Nehmen Sie bitte freundlichst zur Kenntnis: Wir sind kein Krebsgeschwür,
das in einer „Notoperation“ zu entfernen ist. Wir sind auch nicht die Sündenböcke, die für die Misere der MZ zur Rechenschaft zu ziehen sind. Wir sind Ihr münstersches Redaktionsteam, das über Jahre und Jahrzehnte
engagiert gearbeitet, immer loyal zu Ihrem Haus gestanden und diese Behandlung durch seinen Arbeitgeber daher in keiner Weise verdient hat.
Unser Appell an Sie: Überdenken Sie noch einmal die beabsichtigte
Kündigung einer ganzen Redaktion und unterlassen Sie die unfairen verbalen Demontageversuche!
Mit freundlichen Grüßen (Unterschriften)
|
 |
 |
|
Konken: Journalisten werden zu Freiwild“ |
 |
 |
|
Großer Bahnhof in Münster für das Thema MZ-Freistellungen: Der Deutsche
Journalisten-Verband (DJV) forderte auf einer Pressekonferenz am Morgen nach der MZ-Soli-Party ein Eingreifen der Politik gegen “unmenschliches Verhalten“ von Zeitungsverlegern. “Journalisten in den Redaktionen
werden zunehmend zu Freiwild“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.
Zusammen mit dem DJV-Bundesvorstandsmitglied Michael Anger, dem Landesvorsitzenden Gregor Spohr und dem Pressevereinsvorsitzenden
Werner Hinse sowie den freigestellten MZ-Mitarbeitern Bruni Frobusch und Stefan Clauser kritisierte Konken bei dem von vielen Medienvertretern besuchten Treffen im münsterschen Picasso-Museum: “Die Politik schaut
zu, wie mit Gesetzen Missbrauch getrieben wird.“ Der DJV wirft dem MZ-Verleger Lensing-Wolff, zu dessen Zeitungen auch die “Ruhr Nachrichten“ in Dortmund gehören, Tarifflucht vor. Deutlich herausgestellt wurde bei
der Pressekonferenz, dass die freigestellten MZ-Mitarbeiter weiter als angestellt gelten und durch die Freistellung versuche werde, sie zu zermürben. Sie haben, so berichtete Clauser, von ihrem Arbeitgeber ein
Schreiben mit dem Titel “sozialplanähnliche Vereinbarung” erhalten. Wie sie darauf reagieren werden, ist noch nicht klar.
Bruni Frobusch widersprach der Darstellung, es habe seitens des Verlages Versuche der
qualitativen Verbesserung gegeben: “Das ist bei uns nie angekommen.“ Stefan Clauser stüzte dies: “Die Personalakten sind sauber.“ Der Verlag habe den freigestellten Redakteuren inzwischen Angebote vorgelegt, die
unter anderem Formeln zur Errechnung von Abfindungen enthalten, aber auch die Möglichkeit, Beschäftigte in eine Transfergesellschaft überzuleiten. Dies werde von den freigestellten Redakteuren “tendenziell als
unzureichend” bewertet, sagte Clauser. Konken äußerte die Befürchtung, dass das Beispiel Münster bundesweit Schule machen könnte. Schon jetzt nutzen in Deutschland nach DJV-Angaben weit über 20 Zeitungen
verschiedene Möglichkeiten zur Umgehung von Tarifverträgen. Umfangreich wurde in den vergangenen Tagen über die Pressekonferenz berichtet (siehe Web-Links).
Einige Medienvertreter besuchten auch das zwei Stunden später von den MZ-Verlegern Florian und Lambert Lensing-Wolff noch schnell angesetzte
“Hintergrundgespräch“ für die Presse bei Stuhlmacher auf dem Prinzipalmarkt. Dabei sollen sie nach Agenturberichten die handstreichartige Redaktionsauswechselung am 19. Januar als Zukunftssicherung für die Zeitung
bezeichnet haben. Sie wiederholten dabei auch, was sie seit ihrer plötzlichen Änderung in der Öffentlichkeitsarbeit bei allen Anlässen gebetsmühlenartig wiederholen: Die alte Redaktion sei nicht in der Lage gewesen,
auf veränderte Leserinteressen zu reagieren. Die Redakteure hätten nicht an Fortbildungsangeboten des Verlages teilgenommen, was die freigestellten Redakteure auf der DJV-Pressekonferenz erneut von sich gewiesen
hatten. Der neue MZ-Chefredakteur Stefan Bergmann, auch bei der DJV-Pressekonferenz dabei, kündigte bei der Konferenz seiner Chefs einen “Umschwung der Gesinnung” in seinem Team an.
Die
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kündigte laut epd medien-Dienst eine Anzeige gegen die Verlagsgesellschaft an. Die Geschäftsleitung habe ihre Auskunftspflichten gegenüber dem Betriebsrat unvollständig und
wahrheitswidrig erfüllt, heißt es in einem Schreiben der Gewerkschaft an das Regierungspräsidium Münster. Der Betriebsrat sei weder über die geplante Betriebsänderung noch über mögliche Folgen rechtzeitig informiert
worden. Daher habe er weder seine Pflichten wahrnehmen noch angemessen reagieren können.
|
 |
 |
|
Die SPD-Bundespolitiker Christoph Pries und Jörg Tauss haben in einem Schreiben an
den MZ-Verleger Lambert Lensing-Wolff gegen die Freistellungen bei der Münsterschen Zeitung protestiert. In ihren Funktionen als Berichterstatter zum Thema „Presse“ und als medienpolitischer Sprecher der Fraktion
der SPD im Ausschuss für Kultur und Medien beim Deutschen Bundestag verleihen sie in dem Schreiben ihrer Bestürzung Ausdruck, “welche Ihre Entscheidung, die komplette Lokal- und Sportredaktion der Münsterschen
Zeitung auszutauschen, ausgelöst hat. Dieser Schritt ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar und mit Blick auf die betroffenen Journalisten wie auch im Hinblick auf die Presselandschaft in Münster und im
Münsterland nicht hinnehmbar!“
Die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten und Kenner der deutschen Medienlandschaft befürchten auch einen langfristigen Schaden für das Medium Münstersche Zeitung, den der
MZ-Verleger durch die Freistellung der Redaktion verursacht habe. “Es steht zu befürchten, dass Ihre Entscheidung das positive Bild der Münsterschen Zeitung als ein kritisches, objektives und unabhängiges Blatt
diskreditieren und bei vielen Leserinnen und Lesern in Münster und Umgebung nachhaltig beschädigen wird. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, da bei diesem Vorgang - der nach unseren Kenntnissen bisher zum
Glück eher die Ausnahme im deutschen Pressewesen ist - gesellschaftliche Verpflichtungen und soziale Fürsorgeverpflichtungen, die Sie als Herausgeber und als Arbeitgeber zu wahren haben, offenbar völlig außer Acht
gelassen wurden.“ [Das komplette Schreiben im Wortlaut als PDF]
|
 |
 |
|
Die WDR-Lokalzeit Münsterland berichtete fünf Minuten live von der Veranstaltung.
Udo-Lindenberg-Weggefährte Steffi Stephan begeisterte das Publikum mit einem eigens verfassten MZ-Song. Als Überraschungsgast kam gegen Ende des Abends der beliebte Fernsehmoderator Götz Alsmann mit einer Ukulele
auf die Bühne.
Sprecher der Journalistengewerkschaften DJV und dju in ver.di kristierten erneut das unsoziale Verhalten des Zeitungsverlegers Lambert Lensing-Wolff, den “Putin des Münsterlandes“. Der bekannte
Krimiautor Jürgen Kehrer (“Wilsberg”) brachte die Stimmung im Saal auf den Punkt: “Münster ist einfach noch nicht reif für den Heuschreckenkapitalismus. Das ist auch gut so.“ [Hier einige Fotos]
|
|